5 Learnings von Nicole Herzog, SVC Vorstandsmitglied und Tech-Unternehmerin 

Learning 1: 
Life-Balance anstatt Work-Life-Balance
Ich habe mich schon immer schwer getan mit dem Ausdruck Work-Life-Balance. Er impliziert, dass während des Arbeitens nicht gelebt und während des Lebens nicht gearbeitet wird. Arbeiten ist Teil des Lebens. Ich habe das Privileg, dass ich meine Arbeit liebe und ich daraus auch viel positive Energie schöpfe. Das hat jedoch auch eine herausfordernde Seite an sich. Aufgrund meiner All-in-Persönlichkeit gebe ich immer alles. Ich gehe an meine Grenzen und oft sogar darüber hinaus. Ich musste vor zehn Jahren schmerzlich lernen, dass eine gesunde Life-Balance, also ein Leben in welchem sich die Batterien immer wieder von selbst aufladen, von vier Pfeilern abhängig ist: Arbeit – Partnerschaft – Familie/Freunde – Sport/Hobbies. Und dies nicht sequentiell, sondern parallel. Ein auf diesen vier Säulen aufbauendes Leben ist ausgeglichen und hält auch noch, wenn eine Säule mal geschwächt sein oder wegbrechen sollte.

Learning 2: 
Fehler / Scheitern
Im Moment ist es en vogue zu sagen, dass wir in der Schweiz lernen sollten, Scheitern als Teil des Erfolgs zu sehen und es als Mut, etwas zu bewegen, zu feiern. Wir sollen zu eigenen Fehlern stehen und den Fehlern von anderen mit Toleranz begegnen. Das ist richtig, jedoch nicht alles. Mindestens so wichtig ist, dass wir anderen ihren Erfolg gönnen und nicht mit Missgunst oder Skepsis darauf reagieren. Dass wir erfolgreiche Menschen als Rollenbilder verstehen und versuchen, von ihnen zu lernen. Ich habe das Glück, von vielen Unternehmerinnen und Unternehmern umgeben zu sein, die aufopfernd für den Erfolg ihres Unternehmens und damit letztlich auch für den eigenen Erfolg arbeiten. Angetrieben vom Willen, etwas zu schaffen. Ich finde das inspirierend und mutig.

Learning 3: 
Home-Office
Mir ist aufgefallen, dass viele Vorgesetzte der Überzeugung sind, dass die Mitarbeitenden nur dann wirklich produktiv sind, wenn sie im Büro arbeiten, also unter «Kontrolle» sind. Sich selbst schätzen sie im Home-Office aber produktiver ein, als im Büro. Ich frage mich, woher dieses ambivalente Menschenbild kommt. Misstrauen führt nie zu guter Leistung, egal wo jemand sitzt. Bei Sherpany arbeiten seit Jahren ganze Teams erfolgreich remote. Wichtig ist, dass konsequent über Ziele geführt wird und dass bewusst Raum für die Pflege des Wir-Gefühls geschaffen wird. Ich arbeite seit nunmehr zwölf Jahren im Home-Office. Seit ich einen dedizierten Arbeitsbereich habe, mich auf meinen Arbeitstag vorbereite, als ob ich in ein externes Büro ginge, dafür Sorge trage, dass ich täglich mehrere persönliche Kontakte pflege und die Wohnung in der Pause verlasse, ist das für mich die effizienteste und effektivste Arbeitsweise.

Learning 4: 
Frauenquote
Als Frau werde ich ständig nach meiner Meinung zur Frauenquote gefragt. Wenn ich sage, ich sei gegen eine Quote, fühlen sich die Gegner in ihrer Meinung bestätigt – denn schliesslich bin ich ja eine Frau - und die Befürworter finden mich unsolidarisch. Dabei würde ich mich lieber darüber unterhalten, wie erfolgreiche, gemischte Teams rekrutiert und geführt werden. Die Datenlage ist nämlich sehr klar: Gemischte Teams – und damit meine ich nicht nur in Bezug auf Gender - sind erwiesenermassen erfolgreicher und erzielen die besseren Resultate. Allein deshalb sollten Entscheidungsträger Diversität aus Überzeugung auf der Agenda haben. Wer etwas verändern will, muss sich ein Ziel setzen und dann alles Notwendige tun, dieses Ziel zu erreichen. Wer den Nutzen nicht sieht, wird nicht erfolgreich sein.

Learning 5: 
Konkurrenz
Als Unternehmerin empfinde ich Konkurrenz als wichtigen Erfolgstreiber. Sie generiert Nachfrage am Markt und verlangt, dass wir unsere Produkte und Dienstleistungen ständig verbessern. Konkurrenzverhalten innerhalb von Teams hingegen ist schädlich. Besonders in diversen Teams kann ein Wettstreit einzelner Personen dazu führen, dass leise oder kritische Stimmen nicht mehr gehört werden. Das ist schlecht für die Kultur und gefährdet letztlich das Ergebnis.


 

Nicole Herzog

Infobox

Name: Nicole Herzog
Alter: 48 Jahre
Position/Unternehmen: Verwaltungsratspräsidentin Sherpany, Unternehmerin, Business-Angel.

Unternehmensbeschreibung in 3 Sätzen: Nicole Herzog ist Mitgründerin von btov Partners und Haufe-umantis. Die Tech-Unternehmerin ist heute als Verwaltungsrätin und Business Angel tätig. Seit 2013 ist sie Verwaltungsratspräsidentin von Sherpany, einer Anbieterin für cloudbasierte Meeting Management Software.

Website Unternehmen: https://www.sherpany.com/de/

https://www.linkedin.com/in/nic-herzog/