Die KMU schlagen sich grösstenteils gut - Interview mit Andreas Gerber für Beilage Luzerner Zeitung

Interview Andreas Gerber, Präsident des Swiss Venture Club (SVC) und Leiter Firmenkunden Schweiz bei der Credit Suisse, blickt optimistisch in die Zukunft und ist überzeugt von der Solidität der Schweizer Wirtschaft.

Andreas Gerber, als Leiter Firmenkunden bei der Credit Suisse kennen Sie die Sorgen und Nöte der Schweizer Unternehmen bestens. Wie erleben Sie die Unternehmer in der Schweiz in der aktuellen Krise?
Ich habe grossen Respekt vor den Unternehmerinnen und Unternehmern in diesem Land. Während meiner bisherigen Laufbahn habe ich verschiedene Krisen miterlebt, die den Schweizer Wirtschaftsstandort forderten, beispielsweise den Frankenschock und die Finanzkrise. Auch in der jetzigen Situation bin ich beeindruckt vom professionellen und agilen Umgang mit der weiterhin herausfordernden Lage. Die Mehrheit der KMU stellt ihre Krisenfestigkeit unter Beweis, zeigt Flexibilität und wirtschaftet trotzanhaltend schwieriger Umstände erfolgreich. Das sagt viel über die Solidität unserer Wirtschaft aus.

Die Corona-Krise hat seit über einem Jahr einen grossen Einfluss auf viele Bereiche unseres Lebens. Wie sieht Ihr Alltag in diesen Zeiten aus?
In meinem Berufsalltag ist es mir nie langweilig, aber die ersten Monate der Corona-Krise im Frühjahr 2020 waren nochmals deutlich intensiver. Die Ausarbeitung und Umsetzung des Covid-Kreditprogramms zusammen mit dem Bund und weiteren Banken war ein Kraftakt. Das wirtschaftliche Umfeld hat sich zwischenzeitlich deutlich verbessert und ich bin sehr froh, dass dieser Aufschwung auch in meinen Alltag wieder so etwas wie Normalität gebracht hat. Aber wie bereits erwähnt: Die Krise ist noch nicht vollumfänglich überwunden und von einem «Courant normal» – was immer das nach dieser ausserordentlichen Zeit denn auch sein wird – sind wir in vielerlei Hinsicht immer noch ein gutes Stück entfernt.

Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Was denken Sie wird sich verändern?
Die Schweizer Wirtschaft – und das heisst auch die KMU – schlägt sich in der Krise sehr gut. Erfreulich ist auch, dass viele ökonomische Indikatoren zeigen, dass sich die Erholung fortsetzen wird. Selbstverständlich spielen die Impfsituation und damit zusammenhängend die weitere Öffnung der Wirtschaft eine entscheidende Rolle in der künftigen Entwicklung. Klar ist: Die Krise wird Spuren hinterlassen, beispielsweise mit Blick auf das Bewusstsein für Abhängigkeiten in unserer Wirtschaft und Gesellschaft, inklusive der damit verbundenen Risiken. Unternehmen dürften sich beispielsweise vermehrt fragen, ob es vielleicht nicht doch Sinn macht, gewisse Teile der Wertschöpfungskette wieder stärker unter die eigene Kontrolle und auch geografisch näher zur Schweiz zu bringen. Das bedeutet aber nicht, dass der langfristige Trend hin zu einer globalisierten Welt aufgehalten wird. In diesem Zusammenhang werden sich auch neue Chancen bieten, und neue Geschäftsmodelle werden entstehen.

Was ist im derzeitigen Umfeld der Platz des SVC als grösstes Netzwerk für KMU in der Schweiz? 
Gerade in herausfordernden Zeiten sind Umstände gegeben, die man als Ausgangspunkt für eine gezielte Weiterentwicklung nehmen kann – das gilt auch für den SVC. Wir wollen unseren Mitgliedern Mehrwert bieten und müssen darum am Puls der Zeit bleiben – dies nicht zuletzt auch für die jüngeren Generationen. Auf Vereinsebene sind wir daran, einige Neuerungen auf den Weg zu bringen, um dem veränderten Umfeld gerecht zu werden. Beispielsweise sollen auf speziellen Plattformen verstärkt auch Jungunternehmen von erfahreneren Unternehmerinnen und Unternehmern profitieren können. Ich denke da beispielsweise an den neulancierten SVC-Podcast, in welchem Moderator Nik Hartmann den grossen Geschichten der kleinen und mittleren Unternehmen nachgeht. Die Geschichten sollen die Hörerinnen und Hörer inspirieren. Innovationen entstehen durch die Kombination von bereits vorhandenem Wissen, Querdenken und dem Blick über den Tellerrand hinaus. Wir gehen auch deshalb gezielt Partnerschaften mit anderen Organisationen ein, die bereits etabliert sind in diesem Segment, beispielsweise mit dem Top 100 Swiss Startup Award. 

Gibt es Elemente des Erfolgs, die Ihnen bei den Preisträgern immer wieder begegnen?
Ich bin immer wieder aufs Neue fasziniert von der Innovationskraft, gepaart mit Präzision, Verlässlichkeit und Durchhaltevermögen unserer Finalisten. Es ist beeindruckend zu sehen, mit wie viel Herzblut die Unternehmerinnen und Unternehmer Tag für Tag ans Werk gehen, ihre Mitarbeitenden schätzen und zu ihnen schauen. Ich bin schlicht Fan der hiesigen Wirtschaft. Es beeindruckt mich, wie Unternehmerinnen und Unternehmer anhaltend Mut beweisen, Bestehendes hinterfragen und die Ambition haben, das sehr Gute noch sehr viel besser zu machen.  

Was gefällt Ihnen besonders am Prix SVC Zentralschweiz?
Es gelingt der Expertenjury des Prix SVC Zentralschweiz jedes Mal, «Hidden Champions» beziehungsweise echte Perlen unter den Zentralschweizer KMU zu nominieren. Und es freut mich sehr, dass wir diese Unternehmen, die zum Teil Weltmarktführer in ihren Bereichen sind, mit der Prix-SVC-Verleihung einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machen und feiern können. Ich bin, wenn ich das so sagen darf, sehr stolz auf das Schweizer Unternehmertum und finde es wunderbar, dass wir mit dem Prix SVC die Unternehmerinnen und Unternehmer Jahr für Jahr feiern können.
 

Andreas Gerber

Zur Person

Andreas Gerber (52) trat 1989 in die Credit Suisse ein und leitet seit Januar 2021 das Firmenkundengeschäft in der Schweiz. Sein beruflicher Werdegang führte ihn von der Betreuung börsenkotierter Unternehmen über die Leitung des Firmenkundengeschäfts im Marktgebiet Bern zum Leiter KMU Region Mittelland. 2010 wechselte er nach Zürich, wo er zunächst das Firmenkundengeschäft der Region Zürich/Schaffhausen und anschliessend das schweizweite KMU-Geschäft leitete. 
Andreas Gerber ist studierter Betriebsökonom FH und absolvierte das Executive Program am Swiss Finance Institute (SFI) in Zürich sowie an der Tuck School of Business at Dartmouth in Hanover, USA. Er übernahm das Präsidium des Swiss Venture Club (SVC) per September 2017 und war zuvor Vizepräsident gewesen.